Samstag, 5. Mai 2018

fluchtpunkte

die häuser, in denen sich auch meine wohung befindet, sollen abgerissen werden. klar. für ein an sich "gutes" viertel wie das meine sind die häuser zu wenig luxuriös. es handelt sich um ehemalige sozialwohnungen, nachkriegsbauten, ohne lärmschutz oder wärmedämmung. seit jahren werden investionen gestoppt, nur noch das allernötigste gemacht. dafür sind die mieten für hamburger verhältnisse niedrig, auch menschen wir meine copd-kranke nachbarin können sich hier mit aufstockung vom amt niederlassen.

da ich nicht bis zur offiziellen kündigung warten will, schaue ich mich jetzt schon um. ich will grün und ruhig wohnen wie bisher, einzige voraussetzung ist, dass ich noch zur arbeit komme, ohne dafür dem hvv so furchtbar viel kohle in den gierigen rachen zu schmeißen.

mir ist klar, dass ich für eine sehr einfache wohnung ohne balkon und schnickschnack wie die meine woanders mindestens das doppelte bezahlen muss. ich kann es mir glücklicherweise leisten, wenn es sein muss, auch wenn es mich natürlich nicht begeistert. mein traum, mal eine kleine betriebliche altersvorsorge von meinem lohn abzwacken zu können, ist damit begraben.

schlimmer als das aber ist, dass ich wieder merke, wie wenig mir diese stadt noch gefällt. will man halbwegs zentral wohnen, lebt man überteuert auf winzigem raum in einer permanenten feinstaubwolke bei zumeist permanenter lärmbelästigung. wohnt man lieber etwas außerhalb, tut man dies in bunkerartigen siedlungen in tristen gegenden zusammen mit noch tristeren menschen. schönere außerhalb liegende bezirke sind wiederum nicht nur extrem teuer, sondern auch noch mies angebunden. keine u-bahn, mit glück s-bahn und sonst nur busse, und busfahren ist in hamburg natürlich dasselbe wie autofahren, also im stau stehen und viel zu spät irgendwo ankommen. kommt für mich nicht infrage.

"irgendwie ist die stadt für mich echt durch", sage ich betrübt zum luxus-mann, was der überhaupt nicht verstehen kann.
"das ist ja nur, weil du noch nie aus hamburg rausgekomen bist", sage ich, "ich hab auch mal gedacht, boah, nürnberg ist ja mal richtig kacke, bis ich dann hier war und wusste, eigentlich hab ich es damals viel besser gehabt."
"und jetzt willst du da in dein bayern zurück, wo sie leute wie dich wie schwerverbrecher ahnden."
"nicht unbedingt. ich könnte mir aber gut vorstellen, dass ich noch mal richtig weit umziehe. der osten würde mich reizen. so leipzig, jena, erfurt, so die gegend."
"das kannst du ja mal gepflegt vergessen, ich führe keine fernbeziehungen."

wegziehen würde also bedeuten: ohne den luxus-mann. was ich mir im moment nicht vorstellen kann.
"warte doch einfach, ob dir dein vermieter nicht ein angebot macht", rät mir der luxus-mann.
"die haben doch nix frei. vielleicht in harburg irgendwo, und dann haben wir auch quasi ne fernbeziehung."
"aber die bauen da doch bestimmt was neues da bei dir hin."
"ja, sicher, die üblichen luxus-bunker, und da kann ich dann für 2 zimmer auch 1000 € bezahlen. fällt mir im traum nicht ein."

das thema wohnungssuche wird uns also in nächster zeit noch stark beschäftigen und möglicherweise eine gewisse sprengkraft für unsere beziehung haben.









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