Samstag, 23. September 2017

luxus-shoppen

der luxus-mann möchte eine lampe kaufen, also nehmen wir uns gemeinsam frei und gehen an einem freitag in so läden, wo man lampen, möbel und lebenswichtiges gedöns wie serviettenringe mit einhornmotiven kaufen kann.
"was brauchst du denn alles so?" will der mann im auto wissen.
"nix", sage ich.
"wie, nix?"
"naja, wenn mir was unheimlich geiles unheimlich günstiges vor die füße fällt, nehme ichs mit, aber ich wüsste jetzt nicht, was konkret. außerdem gefällt mir da, wo du hinwillst, in der regel eh nix."

darüber hinaus bin ich mir sicher, dass es gar keine gelegenheit geben wird, um nach sachen zu schauen, die ich brauchen könnte. wegen der gesuchten lampe hatten wir nämlich bereits mehrfach stunden in möbelhäusern und lampengeschäften verbracht, doch die lampen waren entweder zu hell, zu dunkel, hatten nicht das passende luxus-wohnungs-design oder waren dem luxus-mann schlichtweg zu teuer. wir hatten auch bereits schon lampen im einkaufswagen, doch jedesmal auf dem weg zur kasse fiel dem luxus-mann ein, dass es ja noch etwas besseres, helleres, dimmbareres, günstigeres geben könnte. woraufhin wir dann zurückgingen, noch mal eine stunde zwischen den lüstermonstern umhertrabten und schließlich ohne lampe wieder den laden verließen, weil es ja irgendwo DIE lampe geben musste, in einem der läden, in denen wir noch nicht waren, auch wenn es die inzwischen vermutlich nur noch jenseits von hamburg gab.

wir starten die tour um zehn uhr vormittags in einem lampenladen mit umfangreichem sortiment. dort ist ein unheimlich netter verkäufer ohne schleimige verkäufermentalität, der sich mit einer affengeduld den fragen des luxus-mannes stellt. er flitzt eilfertig zwischen computer, lager und ausstellungsfläche hin und her und entwickelt mit der zeit kleine schweißperlen an der oberlippe, bleibt aber konstant freundlich und kompetent.
der luxus-mann murmelt etwas von "teuer", "interessant" und "mal schauen" und zieht mich dann aus dem laden. sodann entern wir den nächsten, wo das spiel erneut beginnt - mit einer weniger freundlichen verkäuferin.

nach dem dritten laden will der luxus-mann dann in ein möbelhaus.
"wir waren hier schon mindestens dreimal lampen gucken", erwidere ich. "das war dir alles zu teuer und zu hässlich."
"aber vielleicht gibts da jetzt ja was neues!" sagt der luxus-mann hoffnungsvoll.
ich verdrehe nur die augen, denn den satz habe ich im zuge der lampen-shoppingaktion schon öfter gehört.

in der lampenabteilung gibt es - genau wie von mir vorhergesehen - dieselben kreischhässlichen, überteuerten dinger wie vor wenigen monaten. der luxus-mann spaziert nichtsdestoweniger unbeirrt zwischen den leuchtmonstern hin und her und fragt mich ein ums andere mal:
"und die da? haben wir uns die letztes mal schon angeschaut?"
"ja", knurre ich. "die fandest du zu teuer/hell /dunkel /hässlich."

dann geschieht ein kleines wunder und der luxus-mann bleibt mehrere minuten vor einer lampe stehen, knipst sie an und aus und wieder an, hält probeweise eine zeitung davor, um die lesehelligkeit zu prüfen, während gleichzeitig 95 andere lampen einander überblenden, und meint schließlich selig zu mir:
"die ist doch ganz ok!"
"die hattest du schon mal in der hand, die fandest du letztes mal scheiße."
"quatsch! wie findest du sie?"
"die hat soviel pseudodiamanten-geglitzer wie die lüster in so türken-butzen" sage ich. "wenn du meinst, dass das in deine düster-wohnung mit den ganzen totenschädeln passt..."
"aber die ist günstig! das steht preishammer!"
"das steht überall preishammer oder supersparpreis oder wahnsinnspreis dran. das ist nur marketing!"
"quatsch."
"doch, komm gucken!"

als ich mit meiner beweisführung fertig bin, ist der luxus-mann zwar um eine illusion ärmer, aber immer noch in die lampe verliebt.
"ich glaub, ich nehm die. die kostet ja auch nur 149 euro."
"gut", sage ich, glücklich, damit weiteren lampen-suchaktionen zu entrinnen, "nimm sie."
"aber du findest sie hässlich?" fragt mich der luxus-mann unsicher.
"ich finde die mega-hässlich, aber es ist deine wohnung und deine lampe!" sage ich. "das musst du für dich entscheiden!"
"hm", zögert der luxus-mann, aber ich habe schon ein exemplar aus dem regal gezogen und dränge den mann fest untergeärmelt zur kasse.

ich bete, dass an der kasse keine schlange ist, denn wartezeit würde bedeuten, dass das luxus-hirn gelegenheit zum aufwerfen neuer zweifel hat, aber das schicksal ist mir hold: vor uns ist nur ein mensch mit zwei sachen. das bedeutet gerade mal ausreichend zeit für umständliche luxus-überlegungen, ob er lieber bar oder mit karte zahlen möchte. als wir das möbelhaus verlassen, ist es erst 15 uhr - und wir haben tatsächlich erfolgreich eingekauft.
 "wollen wir was essen? ich hab bärenhunger", sagt der luxus-mann - und weil er wegen seiner tollen hässlichen neuen lampe so gute laune hat, lädt er mich sogar ein.

während wir auf unser essen warten, fummelt der luxus-mann mit gerunzelter stirn an seinem iphone rum.
"was ist, irgendwelche besorgniserregenden börsenturbulenzen", frage ich.
"neenee", sagt der luxus-mann und starrt weiter angestrengt auf das dislay.
dann hält er mir sein handy vor die nase und sagt:
"guck, die lampe sieht doch fast aus wie meine! und hier bei amazon kostet die nur 99 euro!"
"die ist anders. außerdem kannst du so doch gar nicht sehen, wie hell die leuchtet."
"ich bestell die jetzt einfach und wenn sie scheiße ist, tausch ich sie halt um."
"und was ist mit der lampe, die wir eben gekauft haben?"
"die bringen wir gleich zurück!"

Kommentare:

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    1. meine mutter meinte, das habe etwas mit dem alter zu tun. da werden mini-entscheidungen immer schwieriger.
      ich glaube ja eher, das liegt daran, dass der luxus-mann so ein nicht vorhandenes bauchgefühl hat und immer ewigkeiten rationale argumente gegen einander abwägen muss.

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  2. Es kommt eben doch darauf an, dass man die richtige Lampe kauft.

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    1. genau. sonst hätte uns mörike nicht dieses hinreißende gedicht dichten können. ;)

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