Mittwoch, 30. August 2017

spaß mit eltern

zum glück bin ich ja nicht lehrerin geworden. für den mut, das studium dennoch zu ende zu bringen, um dann eine vollkommen andere laufbahn einzuschlagen, klopfe ich mir immer noch auf die schulter. zwar bin ich in meinem job auch nicht hundertprozent happy. aber das liegt daran, dass es ein job ist und dass ich jobs grundsätzlich als lästiges, aber notwendiges übel empfinde. doch hat mein job wenigstens nichts mit eltern zu tun - und das ist mein großes glück.

ich habe immer wieder männer mit kindern kennen gelernt. sofern diese aus gesichterten verhältnissen stammten, legten sie alle dasselbe verhalten an den tag.

1. die totale überwachung
zunächst dabei die kritik an der kindsmutter: die kindsmutter sei hysterisch, ängstlich und bewache das kind zu sehr, sodass es zur unselbstständigkeit neigt und ausgeprägte ängste zeigt. selber bringen die väter aber dann ihre kinder bis an den tisch im klassenzimmer. das kind mal die 100 meter alleine zur schule laufen lassen? nie im leben! todgefährlich! in der hecke lauert jeden tag der böse mann und eine ampel richtig zu interpretieren, kann dem kind auch nicht zugetraut werden. und dann das totschlagargument: die anderen eltern bringen auch ihre kinder zu schule!

2. die dauerbespaßung
hach, so ein kind ist ja so anstrengend! warum kann es sich nicht mal eine halbe stunde allein im kinderzimmer beschäftigen? ständig ist man als vater gefordert, muss kreativ sein und seine eigenen bedürfnisse zurückstellen! macht man das eine sekunde nicht, läuft das kind zu mama und sagt, dass es bei papa total langweilig sei und dass es ständig alleine gelassen werde. hat der luxus-mann papatag, kann ich allerdings weder nachrichten und anrufe erwarten. man(n) muss sich ja in jeder einzelnen sekunde bemühen, mindestens so dauerunterhaltsam wie mama zu sein. wie hoch ist die wahrscheinlichkeit, dass dieses kind lernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen?

3. das zuscheißen des kindes mit materiellem mist
im kinderzimmer sieht es wieder aus wie bei hempels unterm sofa, klagt der vater, denn die vielen spielsachen, bücher und klamotten aufzuräumen sei fast unschaffbar. geschenke sind jedoch grundsätzlich ein schwieriges thema, denn das kind hat alles, weiß nie, was es sich wünschen soll - und freut sich auch nicht mehr richtig, wenn es etwas bekommt. aber wehe, es bekommt mal nichts! dann könnte es ja glauben, man habe es nicht so richtig lieb. dass zeit, zuwendung, empathie und das gemeinsam durchstehen der kleinen kindlichen probleme viel mehr zählen, wird total ignoriert.

meine entscheidung, niemals kinder haben zu wollen, steht seitdem ich mitte 20 bin. weil ich kinder nicht mag und eltern noch viel weniger. und zumindest laufe ich dann nicht gefahr, irgendwann dieselben unzulänglichkeiten an den tag zu legen und die welt mit kleinen unreflektierten narzissten zu verseuchen.

Kommentare:

  1. Prinzipiell kann man, glaub ich, sagen, dass insbesondere getrennte Eltern dazu neigen, ihre Kinder zu überhäufen. Entweder aus dem schlechten Gewissen dem Kind gegenüber, weil man es nicht in einer intakten Familie aufwachsen lassen konnte - oder aus dem Bedürfnis heraus, "besser dastehen" zu wollen als der andere Elternteil. Kriegste immer wieder Kotzkrämpfe von.
    Lehrerin würde ich heute, glaube ich, auch nicht sein wollen. Obwohl ich Kinder liebe. (Na gut, nicht alle. Den Wanst von nebenan z. B. mag ich gar nicht.) Sondern weil die Kinder von heute tatsächlich viel zu oft zu kleinen verwöhnten Narzissten erzogen werden - und man weder ihnen, geschweige denn ihren Eltern auch mal was sagen darf. Heutzutage darf jeder alles, Bitte und Danke ist ja "old school", pfff, den Platz frei machen in der Bahn für Oma oder Opa, hä was?, und wenn sie sich in der Öffentlichkeit daneben benehmen, dann sind sie "mal nicht mainstream und reden nicht jedem nach dem Mund" (habe ich zuletzt in mehreren Gazetten über den ältesten Becker-Spross gelesen. Maße mir da kein Urteil an, weil ich es nicht gesehen und nicht gehört habe. Aber entspricht unabhängig davon der allgemeinen Entwicklung. Meinem Empfinden nach zumindest.)

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  2. mich graust es jedesmal, wenn ih mir vorstelle, einer von diesen gören wird mal irgendwann wer wichtiges. und hat dann vielleicht über soziale fragen zu entscheiden. die haben ja dann überhaupt kein bewusstsein dafür, dass handeln konsequenzen hat.

    ich kann mir gut vorstellen, dass getrennte eltern ständig ein schlechtes gewissen haben und im wettkampf stehen. aber die liebe zum kind sollte schon soweit gehen, dass man ihm mit diesem lächerlich-egomanischen verhalten nicht schadet.

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  3. Alter Falter ... teils wahre Worte, teils mangelnde Erfahrung und Fehlinterpretation ...
    Merkst du was!?
    "Wenn ich mir vorstelle" ... "Ich kann mir gut vorstellen" ...
    Du hast nichts davon gelebt, vielleicht etwas davon in deiner Kindheit ... aber sonst!?

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    1. natürlich sage ich "vorstellen". natürlich hab ich nichts davon "gelebt", aber das verschweige ich ja auch nicht. genau deshalb wähle ich diese vorsichtige formulierung "vorstellen", weil ich mir nicht anmaße zu sagen: so ist das!

      trotzdem erlebe ich kinder in meinem umfeld und die finde ich schrecklich. nervig, narzisstisch, unselbstständig, anstrengend. können nichts, fordern alles und halten sich für den nabel der welt. aber wenn ich ihre eltern so anschaue (und die "erlebe" ich eben intensiv und häufig), dann weiß ich warum.
      mein mann fragt mich viel nach meiner meinung. klar ist da nur eine meinung. aber außenstehende haben oftmals einen klareren blick auf sachverhalte als eltern selbst. die stecken in ihrer elternmatrix und funktionieren nach automatismen.

      du spricht von fehlinterpretationen. als erfahrener vater magst du mir sicher sagen, was ich deiner meinung nach im einzelnen konkret falsch interpretiere.

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    2. Ich denke nicht, dass dies zu einem Ergebnis führen würde.
      Als Platzhalter für dich und mich könnte man hier problemlos einen Vegetarier und einen Fleischesser einsetzen.
      Wir haben unseren Standpunkt und es ist nicht die Aufgabe andere davon zu überzeugen.

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    3. du weißt, dass du mich nicht überzeugen wirst, darum geht es ja auch gar nicht. aber argumente und erfahrungen interessieren mich immer. weil sie helfen, auch einen gegensätzlichen standpunkt noch differenzierter zu sehen.

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    4. außerdem sagtest du nicht: meinung. sndern: fehlinterpretation. was bedeutet, dass ich eine fehlerhafte intellektuelle leistung vollbracht habe. wenn ich logisch falsch schlussfolgere, sollte ich das schon nachvollziehen können. nicht, weil ich eine meinung habe, sondern weil ich normalerweise schon 1 und 1 zusammenzählen kann. ;)

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  4. Ich teile Deine Wahrnehmung, was das Verhalten geschiedener Väter (und Mütter) angeht, denn ich sehe genau das in meinem Umfeld. Vor dem ausgewachsenen Produkt dieser Erziehung habe ich jetzt schon Bammel.

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    1. bin gespannt, wenn einer von denen mal bundeskanzler wird. ;)

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  5. Als in mehrfacher Hinsicht direkt "Betroffener" schreit dieser Post ja direkt danach, von mir (etwas ausführlicher) kommentiert zu werden ;)

    Mir ging es da bis ich fast 30 war ganz ähnlich. Ich mag bzw. mochte Kinder nicht und wollte nie welche. Und wurde trotzdem Vater. Damit änderte sich natürlich meine Sichtweise, natürlich liebte ich Capt'n Junior vom ersten Moment an, mit anderen Kindern kann ich aber immer noch nichts anfangen. Mit zunehmendem Alter veränderte sich das etwas, aber im Grunde bin ich heute noch froh, wenn ich keinen Kontakt zu den Biestern habe, von meinem mal abgesehen.

    Deine Beobachtungen kann ich zumindest teilweise so unterschreiben und habe das auch nach der Trennung an mir / an uns selbst beobachten können.

    Was die "totale Überwachung" angeht: Einer dieser mega-besorgten Daddies, die ihr Kind im Klassenzimmer abliefern und wieder abholen, war ich nie. Die heutigen technischen Möglichkeiten verleiten jedoch etwas dazu und ich war ehrlich gesagt in der ein oder anderen Situation auch schon gottfroh, dass mich Capt'n Junior über sein Handy erreichen konnte. Das war bei mir noch anders, als ich in seinem Alter war und ich musste mir dann selbst aus der Patsche helfen. Eine Münze, zwei Seiten. Die Kindsmutter betrachte ich allerdings weder als hysterisch, ängstlich oder als "zu bewachend".

    Mit der "Dauerbespaßung" liegst Du einigermaßen richtig, finde ich. So ein Kind ist anstrengend und auch ich fand mich, vor allem in der Zeit kurz nach der Trennung, in einer Art Wettbewerb wieder, ob für ihn die Zeit bei Mama oder Papa jetzt "geiler" ist. Und wenn man diesen Wettbewerb "gewonnen" hat, schmeichelt das. Zugegeben. Zum Glück ging das nur eine kurze Zeit so, während der ersten Verwirrung über die ganze Situation.

    "Zuscheißen materieller Mist"... da ich schon immer meine Probleme mit herumstehendem, unnützen Krempel hatte, traf das auf mich persönlich nie zu und den Gedanken, dass Capt'n Junior mich ohne adäquate Geschenke weniger lieben könnte, hatte ich noch nie und diese Sichtweise kommt mir auch einigermaßen seltsam vor. Dass "dass Zeit, Zuwendung, Empathie und das gemeinsame Durchstehen der kleinen (und großen) kindlichen Probleme viel mehr zählen", sehe ich natürlich genauso und mir würde jetzt so spontan ehrlich gesagt auch niemand einfallen, der dem ernsthaft widersprechen würde.

    Und natürlich lege ich Wert darauf, im Rahmen meiner Möglichkeiten dazu beizutragen, dass aus ihm ein mitfühlender, gebildeter, kritischer, reflektierter [...] Erwachsener wird - ohne allerdings dabei die Kindheit zu vernachlässigen, denn das scheint mir eher eine gesellschaftlich weit verbreitete Sichtweise zu sein, die Kindheit quasi als "Trainingslager" in der das Kind zu dem "geformt" wird, was es als Erwachsener mal sein soll. Und ich muss mich da selbst auch hin und wieder mal dabei bremsen, nicht nur die eigenen Maßstäbe aus meiner Kindheit von früher anzulegen, etwas Vertrauen zu haben und anzuerkennen, dass sich die Zeiten ändern.

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    1. schön erklärt. das "sich bremsen" ist glaube ich sehr wichtig. etwas, was mir sicherlich auch extrem schwerfallen würde. aber es extrem sinnvoll.

      aktuell ist es ja so, dass der luxus-sohnemann nach seinem sehr bescheidenen abi beschlossen hat, nichts zu werden. zunächst mal jedenfalls. keine ausbildung, kein studium, sondern erstmal gammeln. finde ich jetzt nicht besonders lobenswert, kann aber ein bündel von wertvollen erfahrungen bringen. was liegt mir? welchen stellenwert hat geld und ein guter verdienst für mich? gibts etwas, was mich durch und durch begeistert? das findet man gut durch jobben, reisen, etc. raus. jut, vorausgesetzt man jobbt oder reist und hängt nicht bei mutti ab, wie er es gerade macht.

      der luxus-mann ist eher wie mein vater, der mich quasi in eine beamtenlaufbahn treiben wollte. der luxus-mann will, dass sein sohn "was sicheres" macht, wo er "viel verdient, um eine familie ernähren zu können". jetzt denkt der sohnemann zaghaft in richtung physiotherapie, weil er sportbegeistert ist. und was macht der mann? fragt ihn: "willst du mal, dass deine frau später mehr verdient als du?!"
      ich sagte: "du vergisst, dass du jahrelang als banker todunglücklich warst, eine ewigkeit arbeitslos und eigentlich erst mit über 30 studiert hast. hättest du ein jahr gegammelt, wäre dir vielleicht vieles erspart geblieben. und du wolltest im ürigen nie so dezidiert eine familie! das weiß man nämlich mit 19 noch nicht."

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