Mittwoch, 23. Mai 2018

komplimente-queen

"deine moppelfrau hat sich übrigens dein letztes brötchen einverleibt", sage ich nach dem frühstück zum luxus-mann.
er lacht und meint:
"schon ok, aber gut, dass du es erwähnst, dann geh ich nachher einkaufen."
"ich dachte halt, ich sag mal besser bescheid... bevor du sonst nachher stundenlang suchst und am ende angesichts deiner expandierenden körperfülle glaubst, du hättest das brötchen doch schon selbst gefressen."
"hast du mich eben fett und dement genannt?!"
"ich kenne dich halt und habe eine deinem allgemeinen verhalten entsprechende prognose abgegeben."
"langweilig und leicht durchschaubar bin ich also auch noch?!"

Montag, 21. Mai 2018

dsgvo

nachdem ich erfahren habe, dass auch blogspot-blogger unter die dsgvo fallen und google bislang nichts dafür tut, blogger.com dsgvo-konform zu machen, werde ich dieses blog sicherheitshalber zu 25.5. abschalten.

es gibt auch gerüchte, dass sich google diese mühe gar nicht macht, sondern blogspot einfach killt.


Sonntag, 20. Mai 2018

lasst mich verschwinden

auf den straßen spaziert die gleichgeschaltete meute, die weiber uniformiert in zerrissenen skinny-jeans, zelt-oberteilen und mechanischem lächeln, die männer mit ray-ban-sonnenbrillen, sneakers und tonnenweise schmierigem haargel. alles sieht aus wie bilder auf instagram, alles nur filter, alles gelogen.

der anblick langweilt mich so sehr, ich möchte zu einem maschinengewehr greifen und allen die köpfe wegballern. ihnen die saubere sonntagsmarkenbeklamottung mit hirn- und blutspritzern versauen. leichen rot-weiß. sonderangebote, ausverkauf. auf wunsch auch in der semmel, haha.

ich weiß nicht mehr, wohin sehen, wohin gehen. schmerzen, körperlich wie seelisch, zwingen mich in tatenlose ohnmacht. nächste woche erstmal wieder schmerzklinik. wir schauen mal, ob sich etwas morphium mit dem escitalopram verträgt.

grundsätzlich mag ich opiate. die lassen meinen hass, meinen widerstand gegen diese welt zu puffreis werden und in einer käseglockig-fluffigen wolke verschwinden. im büro dann mit mattscheibe in den bildschirm starren, die sinnlosigkeit des jobs  rauscht ungesehen an mir vorbei, während ich wie ein roboter befehle empfange und ausführe und mir denke, herrgott, ich wäre so ein herrlicher nazi-scherge gewesen: blinder gehorsam ohne jegliches gewissen. das sich ja sonst immer meldet und mir sagt: what the hell tust du da eigentlich, was soll der scheiß. was für eine grenzenlose zeitverschwendung.

tage wie dieser sind ein tanz um die rasierklinge. ich würd ja gern. ein bisschen schneiden. ein bisschen tiefer.
vielleicht findet sich da drunten im gelben unterhautfettgewebe oder zwischen den sehnen doch mal irgendetwas, was mich leben lässt.




Dienstag, 15. Mai 2018

beleidigte leberwürste

"xy wurde in seiner kindheit rassistisch beleidigt" steht da irgendwo im internet, wo ist jetzt mal egal, denn es steht dazu gerade ständig was irgendwo, weil es derzeit en vogue ist, religiös zu dissen und gedisst zu werden.
was er sich wohl anhören musste?
du saujude. du drecksmoslem.
du scheiß-christ. du gottloser hurensohn!
so je nach konfession oder nicht-konfession.

ich wurde in meiner kindheit auch beleidigt, weil ich nie jeans trug und unsportlich mit tendenz zum moppeltum war. und natürlich galt ich als streberin, weil ich schon als kindergartenkind lesen und schreiben konnte.
ich kenne außerdem bestimmt hundert andere kinder, die ebenfalls beleidigt wurden. weil sie dumm waren oder schlau. weil sie eine brille trugen. oder pickel hatten. oder beim völkerball angst vor dem ball hatten.

beleidigen scheint also irgendwie ein ganz tiefes, heiliges bedürfnis des menschen zu sein. kinder tun es ganz offenherzig, erwachsene etwas subtiler, außer in leser- oder facebookkommentaren, weil man sich hier ganz anonym abfällig äußern kann, wobei jede hemmung fällt. und auch wenn es verpönt ist, jemanden wegen seiner religion, seines geschlechts oder seiner herkunft zu beleidigen, kann man es doch immer noch auf ein millarde andere weisen tun: wegen körperlicher und psychischer makel, der frisur oder kleidung, dem intellekt, dem beruf, dem sozialen status oder der lebenseinstellung. das passiert permanent und ist keineswegs verboten, auch wenn es letztlich nicht weniger wehtut als beleidigungen aufgrund von herkunft und religion.

der knackpunkt ist also vermutlich: es geht um das beleidigen an sich. ich beleidige, also bin ich!

beleidigen hat in der tat etwas mit identität zu tun. elias canetti nennt es das wir-lächeln, wenn eine gruppe eine andere oder ein individuum belächelt und sich dadurch von innen gestärkt fühlt. beleidigt ein einzelner einen anderen einzelnen, unterstreicht er damit in seiner sicht seine individualität auf basis einer negativfolie: ich bin keine dumme sau. ich bin kein spast. ich bin kein islamist. ich bin kein nazi.

wenn ich auf reiche spießer mit penisprothesen schimpfe, unterstreiche ich damit, dass ich ein für wenig geld ehrlich und hart arbeitender mensch ohne entsprechenden fahrbaren untersatz bin. ich tue das ein wenig aus sozialneid, ein wenig, weil ich mich mit spießern in der regel grundsätzlich nicht verstehe, ein wenig, weil ich mich unendlich über den drecks-hvv und seine permanenten asozialen preiserhöhungen ärgere, und last but not least, weil reiche spießer meiner beschränkten ansicht nach nichts anderes machen als mit ihren familien in ihren protzbunkern zu sitzen und darauf zu achten, dass die eigene luxuskarre schöner glänzt als die der nachbarn.

ich tue es aber auch aus stolz und aus dem bedürfnis heraus, diesen stolzen unterschied zu pflegen. kurzum, ich halte mich in diesem punkt also für was besseres, auch wenn ich darum weiß und dass es so keineswegs sein muss. es gibt schließlich auch nette reiche leute, die gar nicht spießig sind und sich sozial engagieren, und es gibt langweilige arme leute, die sich vom kindergeld ihrer blagen einen gebrauchten genitalbooster kaufen, um damit durch die straßen zu heizen wie die irren.

beleidigen ist also identitätsstiftend in einer welt der grenzenlosen beliebigkeit und der enormen unterschiede, verengt aber auch die sichtweise und bringt einen vielleicht um wertvolle kontakte. könnte ja mal passieren, dass ein reicher spießer mit hr-befugnis meine fähigkeiten bemerkt und mich in sein unternehmen holt. was aber nicht passieren wird, solange ich lieber mit punks und obdachlosen plausche oder mit meinem dhl-boten über ausbeutung diskutiere. oder mit dem luxus-mann, der zwar wohlhabend ist, aber sagt, er will nicht über karriere sprechen, weil er schleimer und emporkömmlinge und alle, die sich irgendwie hervortun, nicht ausstehen nicht.

es geht beim beleidigen also fast immer darum, unterschiede zu legitimieren und sie in ihrer vollen größe aufrecht zu erhalten. 

ich wurde kürzlich von einem magazin zum thema "arm trotz arbeit" interviewt. ich hatte dem zugestimmt, weil ich dachte, vielleicht rüttelt es auf, wenn mal jemand reale zahlen nennt, wie unfassbar menschenunwürdig selbst akademiker manchmal bezahlt werden. wie es ist, wenn man vom arbeitgeber sogar um das krankengeld betrogen wird und dass es somit kein wunder ist, wenn sich menschen dann lieber für hartz IV und ausschlafen entscheiden. die kommentare alle so: selber schuld, du bist ja auch eine frau! warum bleibst du nicht hinter dem herd, wo du hingehörst! selber schuld, du hast ja nichts naturwissenschaftliches studiert! wer studiert denn auch geisteswissenschaften! nur ein einziger traute sich und schrieb: ich habe bwl studiert und ich kenne das auch. er wurde niedergewalzt von kommentatoren, die alle versuchten, bwl auf die stufe der geisteswissenschaften (also auf die stufe baumschule) zu stellen.

ich war in der tat selber schuld, denn ich hatte das interview einem magazin gegeben, dessen leserzielgruppe mehrheitlich keine akademiker sind. also leute, die weder wissen, was ein geisteswissenschaftler oder bwler gelernt hat, noch solche, die sich speziell für die verdienstmöglichkeiten von akademikern interessieren. vermutlich hätte ich mitleid bekommen, hätte ich gesagt, ich bin alleinerziehende mutter, die es wegen ihrer schwangerschaften nicht bis zum abitur geschafft hat, weil mir mein sagen wir mal afrikanischer freund brutal ein balg nach dem anderem in die röhre gedrückt hat. das hätte vermutlich identifikation gestiftet: die arme frau, alleinerziehend! von einem ausländer verarscht! schlägt sich aber trotzdem durch für ihre kinder, respekt!

beleidigungen resultieren also aus (negativ empfundenen) unterschieden und dienen gleichzeitig dazu, diese zu betonen oder zu zementieren. sie sind damit ein paradoxon. sie klagen an, sind aber zugleich eine absage, etwas verändern zu wollen, oder aber eine frustrierte ohnmachtsbekundung zu verhältnissen, die sich aus eigener kraft nicht ändern lassen.

wahrscheinlich gibt es sie so lange, so lange es menschen gibt.




Dienstag, 8. Mai 2018

montagswichtel mit penisprothese

als ich mit dem rad abbiegen will, blockiert ein silberner porsche die straße. nicht, weil da irgendein hindernis wäre, sondern, weil der fahrer telefonieren muss und beschlossen hat, dass das nur geht, indem man mitten auf der sehr schmalen, überparkten straße stehenbleibt. weil mit lenken und gasgeben und so sonst wahrscheinlich das hirn überfordert ist und das sprachzentrum blockiert.

das telefonat ist ganz wichtig. doch, bestimmt. wie wichtig, sieht man am designeranzug, der fetten goldenen armbanduhr und der sonnenbrille. und natürlich am porsche und daran, dass man den nicht mal an die seite ranfahren kann, um die anderen verkehrsteilnehmer durchzulassen.

als ich den genitalbooster versuchsweise überholen will, gibt der anzugwichtel unvermittelt gas und fährt mich beinahe über den haufen.
bemerkt hat er mich jedoch immer noch nicht. also klopfe ich an die scheibe, zeige ihm den vogel und deute auf sein handy, das er immer noch am ohr hält.

jetzt ist tatsächlich was im wichtelhirn angekommen. der wichtel springt wie rumpelstilzchen aus seiner penisprothese und schreit wild rum. polizei, feuerwehr, taliban und noch ein paar milizen will er rufen wegen mir und weil ich rad fahre und weil radfahrer sowieso alle wilde asoziale sind.

ich zücke das handy und wähle 110.
"hallo, ich habe hier in der x-straße einen verkehrsteilnehmer, der mit seinem wagen die straße blockiert, weil er meint, so in ruhe seine telefonate mit dem handy am steuer führen zu können. er droht mir nun, weil ich ihm nach einer beinahe-kollision auf eben diesen sachverhalt aufmerksam gemacht habe. würden sie vorbeikommen?"

schwuppdiwupp ist rumpelstilzchen in seine penisprothese gesprungen und davongebraust.

da ich aber ein schlaues mädchen bin, habe ich mir das kennzeichen gemerkt.
 "ja, hallo? hören sie, der fahrer ist eben mit überhöhter geschwindigkeit geflüchtet. er wirkte alkoholisiert auf mich und könnte eventuell weitere verkehrsteilnehmer gefährden."

man sichert mir zu, einen streifenwagen loszuschicken.
ich grinse derweil in mich hinein und schließe mein rad an.
der montagswichtel hat bestimmt einen schlechteren wochenstart als ich.