Mittwoch, 15. November 2017

liebe geht (nicht) durch den magen

der luxus-mann wünscht sich nicht nur möglichst abwechslungsreichen sex, sondern ebenso sehr, dass ich ab und an für ihn kochen möge. das verwundert mich nicht, da er sowohl von mutti als auch von sämtlichen exfrauen immer noch bekocht wird: samstag geht er zu kindsmutter nummer eins oder zwei, sonntags fährt zu seinen eltern, auch wenn er die nicht mal mag. ich muss nicht sagen, dass ich da nicht dabei bin, denn auf familiengeklüngel hab ich keinen bock, und auch der luxus-mann hütet sich vor der potenziellen sprengkraft einer zusammenführung, denn weder kindsmutter nummer zwei noch seine mutter wären vermutlich von mir begeistert.

doch kochen kann man(n) von mir nicht verlangen, finde ich.
"du hast selber zwei gesunde hände, und außerdem kochst du ja auch nie für mich", schlage ich sämtliche argumente für "gemeinsames kochen" - wie es der luxus-mann nennt, wenn ich in der küche schnipple und er danebensteht und nörgelt, nennt - tot.

ich bin in einer traditionellen familie groß geworden. papa bringt das geld nachhause, mama gibt es aus und stellt dafür saubere kleidung, ein wohnliches zuhause und essen auf dem tisch sicher. heute ist mein vater in rente, meine mutter ist es nicht. den ganzen tag schrubbt sie das haus, werkelt im garten und rennt einkaufen, um lebensmittel für meinen vater zur verfügung stellen zu können. sie kocht dabei sogar gerne, auch wenn ich das, was sie so kocht, nicht essen mag, was hauptsächlich daran liegt, dass rezepte in fast jedem fall um mehrere knoblauchzehen ergänzt und exotische zutaten durch heimische ersetzt werden: beispielsweise frischer koriander durch petersilie, kokosmilch durch sahne, erdnussbutter durch normale butter. mäßig leckeres, ewig knoblauchverseuchtes essen haben mich 16 jahre meines lebens begleitet.

"ich finde das schräg, wenn eine frau nie für einen mann kocht", sagt der luxus-mann.
"hab ich ja schon. nur macht mir so ein patriarchisches relikt halt null spaß", erwidere ich.
"für wen hast du denn gekocht?"
"meiner ersten großen liebe habe ich, als meine eltern mal im urlaub waren, spaghetti bolognese gekocht."
"wie lange ist das her?"
"18 oder 19 jahre."
"das ist verjährt."
"und kuchen hab ich ihm auch mal gebacken. rotweinkuchen."
"einmal?"
"ja."
"das ist doch nix."
"er hat halt immer selber gekocht, sogar recht gut. ein bisschen wie das objekt."
"ja, das objekt hat ja heiligenstatus bei dir!"
"zumindest konnte es exzellent kochen und liebte es, mir was gutes zu tun."

"und sonst?"
"für meinen exkurzzeitlebensgefährten hab ich auch schon gekocht."
"wie oft?"
"naja, so richtig selber nur ein- zweimal, glaub ich. da hab ich kürbissuppe gemacht. aber als wir zusammenlebten, habe ich in der regel, wenn ich abends um sieben, halb acht endlich aus der redaktion nachhause kam, noch eine fertigpizza geholt und in den ofen geschoben."
"ha! siehst du! für den hast du das gemacht!"
"war ja nur fertigpizza. und ich hab das nur gemacht, weil ich verhindern wollte, dass unser mäßig harmonisches zusammenleben gänzlich eskaliert."
"bei männern ist da auch was dran. hunger sollte immer befriedigt werden, sonst werden wir ungemütlich."
"wohl weniger hunger als vielmehr eitelkeit. weil ihr euch ja für was besseres haltet. aber wenn man dem nachkommt, werdet ihr nur noch fauler. also mach ich das nicht mehr."

da grinst der luxus-mann nur frech:
"wir sind ja auch was besseres. was glaubst du, warum männer keine cellulite haben?"
"weil ihr ein dickeres unterhautfettgewebe habt!"
"nee, weils scheiße aussieht."
"sagt der mann mit dem hänge-po", frotzle ich.
"ich hab keinen hänge-po", ruft der luxus-mann entsetzt, nur, um sich dann gleich mit runtergelassener hose im großen spiegel von hinten zu betrachten.
"wo ist da bitte ein hänge-po?"
"da", sage ich lachend und pieke in die kleine falte unter den arschbacken.
"das ist eine minifalte! die hast du auch!"
"ja, ich darf die ja auch haben, wir frauen haben schließlich cellulite! du darfst das nicht. du musst in form bleiben. und ich will keinen mann, der beim gehen über seine herabhängenden hautfalten stolpert. sonst lass ich dich entführen, betäuben und heimlich von meinen ärzten operieren."
"reicht das nicht, dass ich mir für dich die eier habe abschneiden lassen?"
"nein."
"oh, ich wusste es. du bist mein sargnagel."
"dito."

"na gut, dann einigen wir uns so: keine plastischen operationen für mich, kein kochen-müssen für dich", fasst der luxus-mann das ergbenis unseres disputes zusammen. "dafür musst du aber mit mir das fenster im bad neu streichen."
"kein problem. sowas mach ich gerne."
"ernsthaft?!"
"ja. ich mach das sogar alleine, wenn du da keinen bock drauf hast. vorausgesetzt, dass du dann nicht wieder rumnörgelst."
"wenn du das so gut machst wie joints drehen und schwänze lutschen, bin ich sicher zufrieden."
"jeder hat halt was, was er gut kann", grinse ich.



Kommentare:

  1. Eigentlich ist es doch gut selber zu kochen. Einerseits weil man kocht was einem schmeckt und andererseits kann man selber nicht meckern wenn es nicht schmeckt! :-)
    Ich koche gerne. Zwar meist nach Rezept wenn ich es nicht kenne, aber bisher war fast alles gut.

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    1. wenn man es gerne macht, ist es super! gesund und vielfach auch umweltfreundlich. ich finds auch toll, wenn das jemand richtig gut kann. hab ich immensen respekt vor.

      ich selber hab mich damit nur nie anfreunden können. wenn ich um 19 oder 19:30 uhr nachhause komme, habe ich null energie, noch in den supermarkt zu rennen und dann am herd kreativ zu sein. außerdem habe ich festgestellt, dass einkaufen fürs kochen im schnitt genauso teuer ist wie imbiss-essen. und da muss ich eben nicht noch eine stunde für einkaufen, 30-45 minuten für zubereiten und hinterher 20-30 minuten für abspülen und aufräumen einkalkulieren. die zeit habe ich gar nicht. ich ekle mich auch mega davor, fleisch oder fisch anzufassen, kriege kotzkrämpfe, wenn meine hände nach zwiebeln riechen oder die wohnung nach lauch oder kohlgemüse stinkt.

      und wie immer, wenn ich was nicht mag und mich dann jemand zwingen will, werde ich furchtbar, furchtbar sauer. ;) das ist in meiner natur, da kann ich mich nicht bremsen. als frau für männer kochen müssen ist für mich nichts als ein ausdruck von rückständigkeit, chauvinismus und patriachalischem zwang. ich weiß, dass ich das total überspitzt sehe! aber ich empfinde es so und mache dann entsprechend den rant. vor allem, wenn der mann selber nie kocht und faul wie sau ist. ;)

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    2. Ich liebe es, wenn die Küche nach angedünsteten Zwiebeln riecht und die Finger nach frischem Knoblauch ...
      DAS ist der Unterschied zwischen frisch kochen und kaufen, denn ich gebe dir recht; 1-2 Portionen kauft man günstiger fertig zubereitet ... Man nehme nur einen Dürüm oder Nudeln mit Hühnerfleisch. :-D

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