Freitag, 6. Oktober 2017

gimme five

es stürmt und regnet.
neben mir im glaskabuff der bushaltestelle steht ein großer junger mann in grellbunten klamotten und einem viel zu eng auf seinen rücken geschnallten rucksack. er wiegt sich, zieht grimassen, seibert und ruft immerzu laut:
"ahhhhhh... ahhhhuuuuuuu... huuuuuuu..."
"scht", macht die frau, die neben ihm steht. "sei still!"
"aaaaaaaahhhhh... huuuuuuuuuu...."
"hat die klappe! sei endlich still", raunzt die frau wieder.
seine mutter, vermute ich.

der sohn streckt die hand in den regen. seine mutter schlägt sie weg und schubst ihn grob. der sohn beruhigt sich ein bisschen, sieht aber sehr unglücklich an. seine mutter beäugt ihn misstrauisch, die mundwinkel tief nach unten gezogen. 

da kommt ein kleiner junge in blitzblauer regenjacke angestiefelt, mit ebenso blitzblauen augen. er bleibt stehen und schaut auf den fahrplan. der große beobachtet ihn fasziniert. auch der kleine hat den langen bemerkt und wirft ihm einen schüchternen blick zu. das ermutigt den behinderten und er winkt dem kleinen zu, als seine mutter wegschaut. der kleine schaut schüchtern - und winkt dann wunderbarerweise einfach zurück.

die szene entlockt mir ein lächeln. doch es kommt noch besser. der behinderte tritt einen schritt aus dem wartehäuschen heraus und auf den kleinen jungen zu, streckt den arm aus und ballt eine faust. der kleine schaut kurz zu mir, ich nicke ihm aufmunternd zu. da macht er ebenfalls einen schritt auf den langen zu und berührt mit seiner kleinen faust die große.

gimme five.
gimme life.

es sind diese winzigen gesten, die mir auch an dunklen tagen den glauben an die menschheit bewahren.

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