Montag, 26. September 2016

schocker

mitternacht. ich stehe beim luxus-mann vor der tür und klingle. keiner macht auf.
sitzt er auf dem klo? ist er eingeschlafen?
ich rufe an. keiner geht ran.
hat er etwa unsere verabredung vergessen?

da kommt ein mann um die ecke und guckt komisch, wie ich so an der haustür stehe und verzweifelt die finger auf die klingel presse.
"hey", sagt der mann.
ich gucke. der mann sieht dem luxus-mann im dunklen ähnlich, hat aber kurze haare. er kommt näher.
nicht das auch noch, denke ich. da sitzt der luxus-mann auf den ohren, und dann auch noch so ein freak, der mich anlabern will!
"was is denn? ich war noch in der kneipe", sagt der freak.

ich gucke genauer. es ist der luxus-mann.
die haare sind ab.
"was ist denn mit deinen haaren passiert?" frage ich.
"nich gut?" fragt der luxus-mann und kommt näher.
"ähm, nunja... sehr brav, irgendwie so" , hasple ich.
"brav????" der luxus-mann ist entsetzt.
"nunja... irgendwie... reifer."
"älter???"
ich merke, ich rede mich um kopf und kragen.
"ich muss mich da erstmal dran gewöhnen", sage ich.

wir stehen vor dem haus. die dicke nachbarskatze kommt und bietet sich als verlegenheitspuffer an. ich lasse mich nieder und kraule sie.
"wollen wir denn gleich los?" fragt der luxus-mann. "ist ja schon nach mitternacht nun."
"ja, ich will tanzen. und nach dem schock brauch ich sowieso erstmal nen drink."

wir wackeln richtung club.
"du hast schon ordentlich getankt", stelle ich fest.
"n paar bier und zwei gläser wein und nen wodka", sagt der luxus-mann.
"aber jetzt mal zu dir. gehts dir denn jetzt besser?"
"ja", sage ich. "wird schon. ist normal, dass ich schwankungen habe. da musst du dir echt keine gedanken machen."
"mach ich mir aber. und wenn du dich verletzt, dreh ich durch, das weißt du."
"hab ich nicht."
"weil... das ist wie selbstmord."
"quatsch."
"in meiner welt, weißt du?"
"na gut. ich hab ja gesagt, ich erzähls dir einfach nicht mehr. wir haben spaß, nichts weiter."
"das wäre ja oberflächlich. ich will schon wissen, wies dir geht. und wenns dir schlecht geht, komm vorbei. dann hau ich dich ein bisschen, wenn du schmerzen haben willst", grinst der luxus-mann. "aber das musst du mir schon sagen."
"ich hab doch anfang der woche durchblicken lassen, dass es grade nicht gut bei mir ist."
"aber ich bin ein mann! das musst du deutlicher machen! in meiner welt gibts keine gefühle. das musst du alles haarklein erklären. tut mir leid."
"ok."
ich ärmle den luxus-mann unter und schnuppere an ihm.
"was?"
"du riechst gut."
"heißt das, du bist geil?"
ich grinse nur geheimnisvoll.

im club steckt mir der luxus-mann die zunge in den hals und schiebt sich zwischen meine beine, damit ich seinen harten schwanz fühlen kann.
"du machst mich so an", sagt er.
"dann fick mich doch."
"hier?"
"quatsch, lass uns rausgehen."
ich nehme den luxus-mann bei der hand und ziehe ihn nach draußen.
"schon mal auf offener straße gefickt?"
"willst du?"
ich nicke.
"wär doch mal spannend."
"okay."
"da drüben? da sind wenigstens ein paar büsche."

die büsche sind recht spärlich, also beschließen wir, noch eine straße weiter zu gehen.
"guck mal, ein spielplatz", sage ich. "perfekt, da ist kein mensch."
"das kann ich nicht."
"warum?"
"das ist ein spielplatz! auf spielplätze geh ich mit meiner tochter!"
"aber da drüben ist eine tischtennisplatte. das wäre perfekt."

der luxus-mann lässt sich breitschlagen. er manövriert mich auf die platte, zieht mir strümpfe und höschen nach unten und schiebt mir seinen schwanz in die muschi.
wir ficken ein weilchen, dann kommt eine gruppe teenies vorbei, die uns aber nicht bemerkt.
dann sagt jemand "moin".
wir schrecken hoch.
am zaun des spielplatzes steht ein abgeranzter alter typ und schaut uns zu.
"moin", sagt der luxus-mann arschcool.
der typ glotzt noch mal doof und geht dann weiter.
wir beginnen erneut.
der typ kommt zurück, geht wieder an uns vorbei und guckt.
"fuck, so geht das nicht", sagt der luxus-mann. "und du bist auch ganz unentspannt, das tut schon fast weh."
ich rutsche von der platte und ziehe mein höschen wieder hoch.
"komm, lass uns nachhause gehen."

wir wackeln untergeärmelt nach hause richtung luxus-wohnung.
"wahrscheinlich sind wir morgen in der mopo", sagt der luxus-mann. "so mit bild von hinten von meinem nackten arsch: perverses pärchen schändet kinderspielplatz."
"genau. vater einer siebenjährigen poppt mit dreikommanull promille im blut psychisch kranke frau auf einer tischtennisplatte."
"boah, hör auf, ich war sogar schon mal in der mopo."
"echt?"
"ja, da haben die reporter so leute in der schanze interviewt, wie sie weihnachten feiern. da waren die bei uns und haben die ganze gruseldeko fotografiert, die totenschädel und im hintergrund mein folterbild, das neben dem bett hängt."
"hahaha, romantisch"
"und neben den ganzen schick angezogenen und glücklichen vorzeige-familien stehen wir da voll blöde auf dem foto rum - meine tochter, mein sohn und ich mit den exakt gleichen depressiven hackfressen und daneben meine ex mit ihrem debilem grinsen, wie so eine mongo-family."

zuhause setzen wir fort, was wir auf dem spielplatz begonnen haben. als wir fertig sind, dämmert schon der morgen.
"halb sieben!" rufe ich entsetzt, als ich zähne putzend im bad auf die uhr sehe.
"um elf müssen wir aufstehen, da holt mich mein sohn zum sport ab."
"ich bin auch zum work-out mit der lederjacke verabredet."
"wird ein knochenharter sonntag, wie es aussieht."
"oh ja."
"kommst du dann später wieder hierher? ich bin so gegen halb drei wahrscheinlich zuhause."
"ok."
"dann kriegst du kuschelprogramm, von mir aus."
"oh cool!"
"ich weiß doch, was du brauchst."
"aber nur, wenn du bock hast! ich will nicht, dass du dich voll überwinden musst."
"mal sehen. ich werd schon nicht dran sterben."

im bett fängt der luxus-mann sofort an zu schnarchen, während ich noch eine weile wachliege und mich an meinem leisen glück und den erinnerungen an die letzten stunden weide.



Freitag, 23. September 2016

das ende

"ich dachte, ich tue dir gut, aber wenn das so ist, stelle ich unsere verbindung infrage", schreibt der luxus-mann gestern, nachdem ich mich für meinen zustand entschuldigt habe.

ich bin sprachlos.
"was denkst du, dass du den magic penis hast, der meine hirnchemie wieder auf spur bringt?"
der luxus-mann, der sonst immer so auf logik beharrt, schweigt beleidigt.
"hätte ich leukämie, würdest du dann auch glauben, ein bisschen ficken und gut ist?" lege ich nach.
"ich meine, ja, du tust mir gut. ohne frage. du bist ein integrer mensch, und du vermittelst stabilität. aber du bist doch kein wunderheiler! von dieser romantischen vorstellung solltest du dich schnellstmöglich verabschieden!"

"h. hat mich ja gewarnt vor leuten wie dir."
"ich finde es großartig, dass du immer so viel auf die meinung von menschen gibst, die mich weder kennen noch irgendeine erfahrung mit meiner erkrankung haben. das ist in etwa so, wie wenn ich marmelade einkochen will und einen schreiner nach dem rezept frage. ich hatte sogar meine psychiaterin beschwatzt, dass du mal in die angehörigen-beratung mitkommen kannst, aber das willst du wieder nicht. nur die schauermärchen aus dem netz interessieren dich."

heute abend will er telefonieren.
was das noch bringen soll, frage ich mich.
alea iacta est.

ja doch. es geht weiter.
es gibt nur viel zu klären und zu erklären.


Donnerstag, 22. September 2016

geduldsfaden

doppelte dosis ssri. abends benzodiazepine. zugleich eine vitamin-d-kur angefangen, damit ich vielleicht mal nicht den kompletten winter krank bin. außerdem soll das zeug ja auch gut gegen depressionen sein.

wartenwartenwarten auf das licht am endes des tunnels.

streit mit dem luxus-mann.
"wenn du dich wieder ritzt, sehen wir uns nicht."
glatte erpressung.
nice try.

mein alter ego schnaubt vor verachtung: als könnten wir auf den nicht verzichten!
der will eh nur ficken. und sex, sex wollen wir schon dreimal nicht. schwänze sind ekelhaft!

derzeit keine energie, das in ordnung zu bringen. in einer woche fliegt er für drei wochen in den urlaub, vielleicht ein guter zeitpunkt, um das getrenntsein zu üben, vor dem ich mich aktuell so fürchte.

auf arbeit zähle ich die minuten bis feierabend. schon das unproduktiv-dröge starren in den bildschirm ist sowohl psychisch als auch körperlich so anstrengend.

Montag, 19. September 2016

frust

ich wackle innerlich. seit etwa zwei wochen.

ich wache morgens um 5 auf, depressionstypisch.
manchmal mit heimweh. ich will wieder klein sein, in meinem kinderzimmer sitzen und spielen. alleine bitte. nur ich und meine bücher und meine puppen.
manchmal mit der nackten verzweiflung vollkommener sinnentleerung. ich kann meinen job nicht mehr machen, ich bin keine pr-schlampe, die leuten in den arsch kriecht und scheiße für gold verkauft.
manchmal mit der verzehrenden sehnsucht nach ruhe, entweder im arm eines anderen menschen, oder dann tot.
manchmal denke ich auch einfach nur zwei stunden lang völlig banane darüber nach, was ich auf arbeit anziehen könnte. irgendetwas, was meine absonderlichkeit möglichst verdeckt. eine in diesem zustand schier nicht beantwortende frage.

ich klammere mich ein bisschen an den luxus-mann und habe tödliche angst, ihn zu nerven. aber er ist da, fragt nach, wie wars auf arbeit, sagt, er kann es verstehen, denn er hasst seinen job auch und verachtet menschen, die sich über ihren schleimigen eifer definieren.

bisweilen habe ich enorme angst, den luxus-mann zu verlieren. dann mach ich schluss, sagt ein teil von mir, wozu denn dann weiterleben? der teil sagt auch: warum denn nicht gleich trennen, es passiert doch sowieso, oder glaubst du, der hält das länger als bis weihnachten mit dir aus?

die düsteren gedanken sind morgen-gedanken. sie kommen meist nachmittags wieder, weshalb ich recht spät mittagspause mache. dann renne ich durch den park und denke weiter auf dem suizid herum.

abends bin ich müde. zwei, drei drinks, dann falle ich ins bett.

Sonntag, 18. September 2016

daddys

"die gucken alle", sagt der luxus-mann, als wir über den flohmarkt schlendern.
"findest du mich auffällig?" frage ich.
"ja klar."
"wegen der stiefel?"
"ja. und dein rock... und die strümpfe. und die haare."
"ich habe ja immer angst, langweilig zu sein."
der luxus-mann blinzelt in die sonne:
"zu sein oder auszusehen?"
"auszusehen."
der luxus-mann lacht:
"darum musst du dir keine gedanken machen, weder um das eine, noch um das eine, so kapriziös wie du bist."
"kapriziös!"
"ja, das trifft es nunmal am ehesten."

"auf die daddys machst du jedenfalls richtig eindruck", stellt der luxus-mann fest.
"vielleicht, weil ich so nach freiheit aussehe?"
"vielleicht, weil du so nach ficken aussiehst", grinst der luxus-mann.
"findest du?"
"schon. du strahlst das aus."
"hast du dir das gedacht, als du mich das erste mal gesehen hast?"
"nee, da hab ich gedacht, die ist interessant."
ich kichere geschmeichelt.
"du hast halt was sehr spezielles", sagt der luxus-mann.
"ist das gut", will ich wissen.
"weiß nicht", sagt der luxus-mann. "leute wie ich finden das gut, aber ich kann mir auch vorstellen, dass viele das verstörend finden."
"die stinos?"
"ja."

ich schaue den luxus-mann von der seite an. wie ich dieses profil liebe, denke ich mir. und wie gut es zu dieser rauen, immer etwas verrucht klingenden stimme passt.
"was guckst du?"
"nüx nüx."
"du brütest doch was aus!"
"nein. ich gucke nur."
der luxus-mann hält inne und schaut mir ins gesicht.
"bin ich auch so ein daddy, in deinen augen?"
"nee. du bist punk."
der luxus-mann lächelt geschmeichelt, wird dann aber wieder ernst.
"heute morgen so im bad, da hab ich gesehen, dass ich voll faltige augen hab."
"kannste dir ja wegoperieren lassen, wenns dich stört."
"stört dich das nicht?"
"nö. das ist deine geschichte. das ist authentisch."
"aber schön ist es nicht."
"doch. das bist du, und du bist schön. in meinen augen. in meinen beschränkten augen, die doch glaub ich ziemlich viel an dir sehen."
der luxus-mann sagt nichts darauf, wie immer, weil er komplimente nicht verknusen kann.

"wollen wir kuchen essen", fragt der luxus-mann, als wir auf dem nachhauseweg an einem café vorbeikommen.
"nee."
"magst du keinen kuchen?"
"nicht so wahnsinnig. außerdem hab ich zwei kilo zugenommen."
der luxus-mann schaut mich von oben nach unten und von unten nach oben an.
"wo?"
"das sieht man jetzt nicht so, verteilt sich immer ganz gut bei mir."
"schade, ich hatte gehofft, an den titten."
"soll ich mir die titten machen lassen?"
"nee, warte mal ab. vielleicht in 20 jahren, falls wir dann noch zusammen sind und du bei mir einziehen musst als meine persönliche sklavin, weil du sonst flaschen sammeln müsstest. dann bist du nämlich nicht mehr frisch genug zum nacktputzen."
ich zeige dem luxus-mann den stinkefinger.

"aber noch mal zu den daddys...", fängt der luxus-mann wieder an, während er ein stück heidelbeerkuchen verdrückt.
"was findest du an denen? warum fickst du die?"
ich zucke die achseln.
"ich ficke die ja nicht explizit. die finden mich irgendwie."
"aber die sind doch todlangweilig."
"die meisten schon. aber mit denen passiert fast immer was, wenn sie fremdgehen, und das finde ich dann spannend."
"wie meinst du?"
"ich mag dieses staunen. die werden dann noch mal kind, irgendwie. so ganz verletzlich. und das, wenn man denen einfach nur den schwanz hält. und wenn sie dann danach zu mutti ins nest zurückhoppeln... dann nehmen sie vielleicht was mit. ich weiß ja nicht."
"wofür hälst du dich, für eine krankenpflegerin?"
"nenn es männerpflegerin, wenn du so willst."
"und für dich, was ist es für dich? das macht dich doch nicht wirklich geil, oder?"
"nicht der mann, eher das, was ich auslöse. die macht, die ich habe. bewegen und bewegt werden, das ist so das, was ich am leben am meisten mag."

der luxus-mann schaut mich aus seinen kornblumenblauen augen indifferent an.
"a. meinte gestern auch, mit jemandem wie dir müsse man vorsichtig sein."
"mit jemandem wie mir?"
"ja. jemand, der nicht ganz richtig im kopf ist."
"ich glaube, in meinem kopf ist vieles sehr viel richtiger als in anderen köpfen. nur weil ich nicht in eine medial betäubte leistungsgesellschaft passe, die konsumgütern huldigt und in lebensformen von 1950 verhaftet ist, bin ich nicht krank. ganz im gegenteil."
"du weißt wie ich das meine."
"nein. du bist da sehr ambivalent."
"najaaa... er meint halt, ich solle aufpassen, wie ich mit dir umgehe."
"so in die richtung, mich nicht zu verletzen?"
"ja."
"beeindruckend, dass leute, die mich nicht einmal auch nur von fern gesehen haben, immer ganz genau wissen, wie ich ticke und wie man mit mir umzugehen hat."
der luxus-mann ist verlegen.
"ich habe a. auch gesagt, dass ich das mit dir sehr entspannt finde, weil du trotz allem nie zickig bist."
"soso."
"ich hab ihm aber auch erzählt, dass ich immer noch angst vor dir habe."
ich grinse.
"gut so."

später liegen wir im bett, sehen einen langweiligen horrorfilm, trinken und vögeln ein paar mal.
"willst du noch ausgehen? fragt der luxus-mann.
ich drücke meine nase in seine achselhöhle.
"nein", sage ich dann mit nachdruck.
"kenn ich gar nicht an dir."
"hast du angst, dass ich mich mit dir langweile?"
"hm, weiß nich."
"tu ich nicht. du kannst sogar sportschau mit mir gucken."
"und erotikkanal."
"und die sendung mit der maus."
ich schmiege mich an den luxus-mann.
"ok so für dich?"
"willst du schlafen?"
"ja bitte."
"so?"
"genau so."